Schritt für Schritt zum „fairen“ Kaffee

16_05_02_27_sw_KaffeeseminarDie Schülerinnen und Schüler des Mörike-Gymnasiums und deren Lehrkr��fte ließen sich von Andreas Halder (zweite Reihe, zweiter v.r.) und René Zieschank (erste Reihe, zweiter v.r.) den Röstvorgang erklären.

Göppingen 

Pünktlich zum Maientagshock präsentierten die Schülerfirma „SchoolWorks“ und die Fairtrade-AG des Mörike-Gymnasiums Göppingen ihr neuestes Produkt: den „MöKa“. Der neue Mögy-Kaffee soll neben einem herausragenden Geschmack auch einen Beitrag für einen sozial gerechten Welthandel leisten.

Mit dem erfolgreichen Entwickeln und Vermarkten von schulbezogenen Produkten kennen sich die Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer bei der Schülerfirma „SchoolWorks“ bereits bestens aus: neben dem äußerst beliebten Hausaufgabenplaner und der MöGy-Bekleidung sind auch praktische Kleinartikel wie Tassen und Kugelschreiber im Angebot zu finden. Mit Blick auf die Auszeichnung „FairTrade-Schule“, die dem Mörike-Gymnasium im Dezember 2014 offiziell verliehen wurde, beschlossen „SchoolWorks“ und die FairTrade-AG gemeinsam neue Wege zu gehen und ein sozial gerechtes und nachhaltig produziertes MöGy-Produkt auf den Markt zu bringen: ein eigener MöGy-Kaffee sollte her.

Das Konzept für die Umsetzung ihres Vorhabens entwickelten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit den betreuenden Lehrkräften Ralf Engel, Sandra Vogel (beide SchoolWorks) und Joachim Schulz (FairTrade-AG): Zunächst informierten sich die AG-Teilnehmer über die Wertschöpfungskette des internationalen Kaffeehandels, die Arbeitsbedingungen in den kaffeeexportierenden Ländern und die Hintergründe zum Zertifizierungsgeschäft mit dem „FairTrade“-Siegel. Anschließend sollte ein geeignetes Unternehmen für den Bezug und die Röstung des Kaffees gefunden sowie eine Marketingstrategie für den Verkauf des fertigen Produkts entwickelt werden.

Auf der Suche nach der passenden Rösterei erwiesen sich Andreas Halder und René Zieschank von der Wangener Kleinrösterei „AR-Oma“ als Glücksgriff. Die beiden nebenberuflichen Röster sind seit einigen Jahren im Kaffeegeschäft tätig, haben sich jedoch durch ihren hochwertig und nachhaltig produzierten Kaffee auf Wochenmärkten und in regionalen Supermärkten rasch einen Namen gemacht. Beim gemeinsamen Besuch von Schülern und Lehrkräften in der Rösterei durften die Schülerinnen und Schüler den zukünftigen MöGy-Kaffee nicht nur verkosten, sondern sie ließen sich von Andreas Halder auch detailliert die Hintergründe zu Vermarktung und Unternehmensführung erklären.

Begleitend zum Vortrag röstete René Zieschank mit der hauseigenen Röstmaschine eine erste Portion des neuen MöGy-Kaffees und ging dabei auf die Besonderheiten des Röstens ein. Die Schüler erfuhren, dass weniger die Bohnenart für den Geschmack des Kaffees entscheidend sei, sondern vielmehr der Boden und das Klima der Anbauregion. Ebenso spiele auch der Röstvorgang eine wichtige Rolle, da sich die Aromen bei einem langsameren und längeren Röstvorgang besser entfalten könnten, als bei einem kurzen und intensiven Vorgang, wie es bei industriell gefertigtem Kaffee üblich sei. Auch baue sich die Säure innerhalb der Bohne besser ab, was den Kaffee deutlich bekömmlicher mache. Nach dem Ende des Röstvorgangs durften die Schüler den ersten eigenen Kaffee dann auch selbst testen. Doch Röstfachmann Zieschank fügte zugleich scherzhaft hinzu: „Das volle Aroma entfaltet sich erst in 2-3 Tagen. Ihr müsst also nochmal kommen.“

Die Gratis-Verkostung des „MöKa“ beim diesjährigen Maientag stellte schließlich einen weiteren wichtigen Schritt hin zum Markteintritt dar. Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, um sich einen Eindruck von dem Mörike-Kaffee zu verschaffen. Zugleich konnten die Schülerinnen und Schüler an diesem Tag auch bereits die ersten „MöKa“-Packungen an die sehr zufriedenen Kunden verkaufen.

Bepackt mit vielfältigen Eindrücken und spannenden Einblicken aus der Vorbereitungsphase gilt es für die Schüler nun die weiteren Schritte zu planen. Es wird darum gehen, das Marketingkonzept inklusive Flyer und Werbefilm zu verfeinern und die Vertriebswege abzuklären. Klar ist hingegen, dass auch ein möglicher Gewinn aus dem Kaffeeverkauf wieder nachhaltig investiert werden soll: Zur Förderung sozialer Projekte im Herkunftsland des MöGy-Kaffees.

Der Schulleiter des Mörike-Gymnasiums, Karim Doosry, sieht in dem Projekt ein Paradebeispiel für den ganzheitlichen pädagogischen Ansatz seiner Schule: durch reales Handeln erwerben sich die Schülerinnen und Schüler ökonomische Kompetenzen und übernehmen zugleich soziale Verantwortung.

Marius Pfleghar